Friedrich Wilhelm Sertürner – Erfinder des Morphiums

Blick in die Brauerei Friedrich Wilhelm Sertürner wurde am 19. Juni 1783 in Neuhaus bei Paderborn als Sohn eines Landvermessers und Wegebaumeisters geboren. Obwohl er in armen Verhältnissen aufwuchs, besuchte Sertürner die Schule und erhielt zusätzlich von seinem Vater naturwissenschaftlichen Unterricht.

Im Oktober 1799 begann er beim Hofapotheker Franz Anton Cramer in Paderborn eine Lehre als Apothekergehilfe, die er schließlich vier Jahre später beendete. Bereits während seiner Lehrzeit und in den Jahren als Assistent in einer Einbecker Apotheke experimentierte er im Labor. Die Frage die ihn bei seinen Experimenten am meisten beschäftigte, war die Wirkung von Arzneipflanzen. Auf der Suche nach einer Antwort widmete sich Sertürner zunächst dem Opium, das zu seiner Zeit eines der wichtigsten Arzneimittel war. Die Anwendung von Opium war jedoch mit großen Risiken verbunden, denn die gleichen Mengen Wirkstoff hatten oftmals ganz unterschiedliche Wirkungen.

Durch seine Experimente hatte Sertürner im Opiumsaft einen Stoff mit alkalischen Eigenschaften gefunden. Mit Hilfe von Tierversuchen erkannte er schließlich die betäubende Substanz des Opiums: Nach der Injektion des gefundenen Stoffes versank ein Hund in einen tiefen Schlaf, der jedoch ausblieb, wenn aus dem Opiumextrakt der entsprechende Bestandteil entfernt wurde. Unter dem Titel „Darstellung der reinen Mohnsäure (Opiumsäure) nebst einer chemischen Untersuchung des Opiums mit vorzüglicher Hinsicht auf einen darin neu entdeckten Stoff“ erschienen die Ergebnisse seiner Arbeit 1805 im „Journal der Pharmacie“. In der Schilderung von 57 Versuchen ist auch die Entdeckung des Morphiums enthalten,

Obwohl Sertürners Entdeckungen in der Fachwelt zunächst nur geringe Beachtung fanden, ließ er sich nicht beirren. Schließlich veröffentlichte er 1817 in den „Annalen der Physik“ seine Studie „Ueber das Morphium, eine neue salzfähige Grundlage und die Mekonsäure als Hauptbestandteile des Opiums“. Hierin gab er dem neu entdeckten Stoff erstmals den Namen „Morphium“, nach Morpheus, dem griechischen Gott des Traumes oder Schlafes, nannte genaue Vorschriften für dessen Herstellung und beschrieb die Wirkung des Morphiums auf den menschlichen Körper. Letztere hatte er zuvor an sich selbst und drei jugendlichen Probanden getestet, wobei diese Versuche sie fast das Leben gekostet hätten. Die damalige, als niedrig befundene Dosis, lag ungefähr das Zehnfache über der heute empfohlenen Dosis.

Diese Entdeckungen machten schließlich die Fachwelt auf die Forschungen des Einbecker Apothekers aufmerksam und brachten ihm die zuvor noch verwehrte Anerkennung. So ernannte ihn etwa Goethe selbst 1817 zum auswärtigen Mitglied der „Societät für die gesammte Mineralogie zu Jena“ und die Universität Jena verlieh ihm im gleichen Jahr die philosophische Doktorwürde. Die Entdeckung des Morphiums markiert zugleich den Beginn der pharmazeutischen Industrie. Bis heute sind Morphin und andere Opiate unersetzbar in der Schmerztherapie und werden vor allem bei postoperativen, chronischen und tumorbedingten Schmerzen eingesetzt. Sertürners Leistungen stellen ihn daher in eine Reihe mit dem schottischen Bakteriologen Alexander Fleming, der rund 120 Jahre später das Penicillin entdeckte.

Am 20. Februar 1841 verstarb Friedrich Sertürner nach einem schweren Gicht-Leiden, das er selbst mit Morphium behandelt hatte. Auf seinem Grabstein in Einbeck sind noch heute die Worte „Durch die verdienstvolle Entdeckung des Morphiums wirkte er zum Segen vieler kranker Menschen“ zu lesen.


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