Pionier des modernen Verbraucherschutzes

Titel einer Arbeit über KönigDie Lebensmittelchemie als exakte Naturwissenschaft entstand vor rund 130 Jahren. Als ihr Begründer gilt der deutsche Chemiker Franz Joseph König. Er entwickelte eine Reihe von Analyseverfahren und schuf damit die Basis für die moderne Qualitätsüberwachung von Lebensmitteln, die historisch betrachtet, zugleich die Anfänge des modernen Verbraucherschutzes war.

Joseph König wurde 1843 in Lavesum bei Haltern geboren. Nach seinem Abitur in Münster 1864 ging er nach München, wo er zunächst Medizin studierte, dies jedoch bald aufgab, da ihn vor allem die Chemie faszinierte. 1867 wurde König an der Universität Göttingen mit seiner Arbeit „Über Äthyl- und Diäthylbenzol“ promoviert. Bereits während seines Studiums interessierte er sich für die neuen Lehren über die Chemie der belebten Welt und deren Nutzungsmöglichkeiten für die Landwirtschaft und Ernährung. Daher verwundert es nicht, dass er 1870 vom Landwirtschaftlichen Provinzialverein für Westfalen und Lippe zum Aufbau einer landwirtschaftlichen Versuchsstation nach Münster berufen wurde. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Station, die anfangs lediglich in einigen Mietsräumen untergebracht war, zu einem umfangreichen Gebäudekomplex mit Fachabteilungen u. a. für Pflanzenschutz, Düngelehre, Fischzucht und Lebensmittelkontrolle.

In seinem mehrbändigen Werk „Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genußmittel“ fasste König 1878 die damaligen Kenntnisse über die Lebensmittelchemie zusammen und erntete große Anerkennung in der Fachwelt. Etwa zur gleichen Zeit entstand auch der Beruf des Nahrungsmittelchemikers, da die Politik erkannt hatte, dass die neuen Techniken bei der Herstellung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln auch Risiken für die Bevölkerung bargen. Durch die Industrialisierung und Verstädterung hatte die Herstellung von Lebensmitteln nämlich erhebliche Veränderungen erfahren. Die wachsende Bedeutung etwa der Nudel- und Konservenindustrie, deren Produkte bis dahin fast ausschließlich Erzeugnisse des eigenen Haushalts gewesen waren und der Übergang handwerklicher Lebensmittelgewerbe zu Großbetrieben legten die Sorge für die Qualität der Lebensmittel in die Hände der Industrie. Das erste Nahrungsmittelgesetz von 1879, an dessen Ausarbeitung Joseph König maßgeblich beteiligt war, regulierte u. a. den Begriff der Gesundheitsschädlichkeit, den Tatbestand der Verfälschung und die Kategorie des Nachahmens. Zusätzlich brachte es entscheidende Verbesserungen für die Lebensmittelüberwachung, wie etwa die Errichtung technischer Untersuchungsanstalten.

Nachdem König 1892 von der Akademie zu Münster zum Honorarprofessor für analytische Chemie, Lebensmittelchemie und Hygiene ernannt worden war, erhielt er zusätzlich 1895 die Berechtigung zur Ausbildung von Lebensmittelchemikern und engagierte sich stark bei der Ausgestaltung des Berufsbildes. 1899 erfolgte schließlich seine Ernennung zum ordentlichen Professor und er begründete den ersten Lehrstuhl für Nahrungsmittelchemie und Hygiene in Deutschland.

Im Laufe seiner Karriere hatte sich König, neben der Ausgestaltung des Lebensmittelchemiker-Berufs, besonders um die Lehre von den Nahrungsmitteln und die Ausarbeitung moderner Analysemethoden verdient gemacht. Als Herausgeber war er zudem verantwortlich für eine ganze Reihe jahrzehntelang führender Handbücher, wissenschaftlicher Beiträge und aufklärender Artikel für die landwirtschaftliche Öffentlichkeit. Er gilt bis heute als der „Altmeister der Lebensmittelchemie“. Das erste Nahrungsmittelgesetz von 1879 ist in wesentlichen Teilen seinem hygienisch-gesundheitspolitischem Wirken zu verdanken.

Dennoch enthielt das Gesetz einen fundamentalen strukturellen Mangel: Das Fehlen von Legaldefinitionen. Die hieraus resultierenden Auseinandersetzungen zwischen Industrie und Lebensmittelchemikern drehten sich zum Beispiel um die Konservierungsfrage, das Problem der künstlichen Färbung oder die Festsetzung von Mindestbestandteilen. Die Entscheidung, ob es sich im Einzelfall tatsächlich um eine Verfälschung oder Nachahmung handelte, blieb dann den Gerichten überlassen. König selbst trat dabei in zahlreichen Prozessen als Gutachter auf. Das drückende Problem der Rechtsunsicherheit lastete schwer auf den Nahrungsmittelfabrikanten, die schließlich in einer freiwilligen Initiative das „Deutsche Nahrungsmittelbuch“ herausgaben, das lebensmittelrechtliche Qualitätsnormen aus Sicht der Fabrikanten und Händler festlegte.

Königs bedeutende Pionierarbeit auf dem Gebiet der Lebensmittelüberwachung spiegelt sich u. a. in zahlreichen Namensstiftungen. Bereits seit 1934 verleiht die Lebensmittelchemische Gesellschaft die Joseph-König-Gedenkmünze und zu ihrem 110. Geburtstag erhielt die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Nordrhein-Westfalen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen den Namen „Joseph-König-Institut“.


Wir zeigen, wie innovativ Westfalen sind und waren. Im Rahmen der Aktion verlosen wir bei unserem Gewinnspiel jeden Monat tolle Preise. Unter allen Teilnehmenden der Monatsrätsel verlosen wir zudem ein Fahrrad im Wert von 500 Euro. "Du bist Westfale" ist eine Gemeinschaftsaktion von Westfalen-Initiative, Westfälischem Wirtschaftsarchiv und den innovativen, westfälischen Verkehrsunternehmen Stadtwerke Münster, moBiel und Padersprinter.

Impressum