Autos, Fahrräder und Nähmaschinen aus Bielefeld

Bild vom MotorfahrradDie Industrielle Revolution hatte Bielefeld Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Textilstandort gemacht. Die hohe Zahl nähender Betriebe war dann auch der Auslöser für die Gründung der ersten Bielefelder Nähmaschinenfabrik durch die beiden Schlosser Carl Baer und Heinrich Koch im Jahre 1860. Unter dem Namen Koch & Co. beschäftigten sie ab 1865 den Nähmaschinenmechaniker Nikolaus Dürkopp, der bereits einige Jahre zuvor seine erste eigene Nähmaschine konstruiert hatte. Dürkopp war 1842 in Herford als Sohn eines Eisenwarenhändlers geboren worden und absolvierte vor seiner Anstellung erfolgreich eine Ausbildung zum Schlosser in Detmold. Zusammen mit seinem Arbeitskollegen Carl Schmidt machte er sich schließlich unter den Namen „Dürkopp & Schmidt“ selbstständig. Der Durchbruch sollte allerdings noch einige Zeit auf sich warten lassen. Erst durch die finanzielle Unterstützung von Ferdinand Kaselowsky, dem Direktor der Ravensberger Spinnerei und damals einer der reichsten Männer Bielefelds, gelang der Durchbruch zum Industriebetrieb. Nachdem Schmidt gegen eine Abfindung aus dem Betrieb ausschied, wurde das Unternehmen 1876 in „Dürkopp & Co“ umfirmiert.

Aufgrund einer Absatzkrise für Nähmaschinenprodukte in den 1880er Jahren suchte Nikolaus Dürkopp nach neuen Produkten. So begann Dürkopp 1885 als erstes deutsches Unternehmen mit der Serienproduktion von Fahrrädern. Diesem Vorbild folgten bald auch andere Unternehmen, so dass die Fahrradindustrie neben der Textilbranche zu einem weiteren wichtigeren Standbein der Bielefelder Wirtschaft wurde. Die Erfolgsliste von Dürkopp-Rädern bei Radrennen ist lang, u. a. fuhr der Sieger der ersten Deutschland-Rundfahrt auf dem Modell „Diana 215“ durchs Ziel.

Bereits ab 1897 stellte das Unternehmen auch Automobile her. Als Vorbild hierfür dienten zunächst die Fahrzeuge des Pariser Unternehmens Panhard & Levassor, einem der ältesten Automobilhersteller der Welt. Während zunächst nur Fahrzeuge mit Zwei-, Drei- und Vierzylindermotoren produziert wurden, folgten später auch Vier-, Sechs- und Achtzylinder. Viele dieser Konstruktionen kamen jedoch gar nicht über das Stadium eines Prototypen hinaus. Dennoch war Dürkopp, genau wie im Radrennsport, auch im Motorrennsport sehr erfolgreich. So belegten Dürkopp-Modelle zweimal den zweiten Platz bei der Rallye Monte Carlo und auch der bekannte deutsch-österreichische Rennfahrer Hans Stuck fuhr zeitweise Dürkopp-Rennwagen. Angeblich war Nikolaus Dürkopp ein so großer Autofan, dass er die ersten Meter mit neu produzierten Autos selbst zurücklegte.

Unter dem Namen Dürkopp entstanden jedoch nicht nur PKWs, sondern auch eine Reihe von Lastwagen, wobei aufgrund der geringen Auflage der Fahrzeuge kein ausreichender Gewinn erwirtschaftet werden konnte. Die Automobilabteilung wurde letztlich alleine durch die Gewinne aus der Fahrrad- und Nähmaschinenherstellung quersubventioniert. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht war es daher nur logisch, dass der PKW-Bau 1927 und zwei Jahre später der Lastwagenbau eingestellt wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg wagte Dürkopp einen weiteren Vorstoß in die Welt der Kraftfahrzeuge und produzierte von 1949-1961 motorisierte Zweiräder nach dem Vorbild der Vespa. Zum großen Erfolgsmodell wurde das Motorrad „MD 150“, das Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 km/h erreichte und rund 18.000 Mal gebaut wurde.

Durch die Fusion der Koch Adler Nähmaschinenwerke AG mit der Dürkoppwerke AG entstand 1990 schließlich die Dürkopp Adler AG. Seit 2005 ist sie im Besitz der chinesischen SGSB-Gruppe. Heute ist die Dürkopp Adler AG einer der weltweiten Technologieführer auf dem Gebiet der industriellen Nähtechnik und steht für mehr als 150 Jahre Bielefelder Textiltradition.

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